• Fallbeispiel "Mein Kind verbaut sich seine Zukunft"


  • Das nachfolgende Fallbeispiel ist stark gekürzt und Namen wurden verändert.

    Mein Kind verbaut sich seine Zukunft und will die Schule schmeißen

    Marie 46, geschieden, kommt zur systemischen Einzelaufstellung in meine Praxis in Schloss Eisenbach, bei Lauterbach. Sie sorgt sich um ihren 17 jährigen Sohn Timo, der keinen Bock mehr auf Schule hat und ohne Abschluss die Schule verlassen will.

    Ich stelle zunächst den Sohn, die Schule, den Vater und die Mutter selbst auf, indem die drei Personen und die Institution Schule namentlich auf weiße Blätter notiert und von Marie im Raum verteilt werden.
    In der Einzelaufstellung geht Marie nun jede der einzelnen Positionen selbst ab.
    Als Marie den Platz des Sohnes einnimmt, kommt ihr spontan der Impuls, dass der Sohn näher neben seinem Vater stehen möchte. Sie kann fühlen, dass es für Timo richtiger ist dort zu sein und reagiert aufgebracht.

    Dieser Mann hatte sie beide doch vor längerer Zeit im Stich gelassen!
    Wieso will ihr Sohn dann unbedingt diese Nähe zum Vater?

    Marie kann mit Hilfe der systemischen Familienaufstellung herausfinden, was in ihrem Familiensystem passiert.

    Ein Kind liebt immer beide Elternteile gleichermaßen, die sogenannte bedingungslose Liebe. Daher möchte das Kind es jedem Recht machen.

    Marie hält Ihren Exmann für einen Versager, zwar hat sie das nie offen kund vor ihrem Sohn kund getan, aber das Kind kann dies trotzdem unbewusst spüren, und solidarisierte sich mit dem Vater.
    Unbewusst versucht Timo sozusagen das Familiensystem hier auszugleichen.

    Von außen betrachtet, folgte das Kind zwar der Mutter, war fleißig und büffelte was das Zeug hielt, aber trotz großer Anstrengung schrieb es schlechte Noten, kam nicht vorwärts und wollte die Schule ohne Abschluss beenden.

    Erst als Maire ihren Exmann anerkennt, für das was er seinem Sohn geben konnte (Vaterliebe, Verständnis, Zuwendung) löst sich in der Familienaufstellung der Knoten.

    Marie lässt in der Rolle des Vaters dem Sohn sagen, „Das ist mein Schicksal und nicht Deins. Du bist nicht für mich verantwortlich, Ich freue mich wenn es Dir gut geht und Du glücklich bist.“

    Die systemische Ordnung im Familiensystem ist wieder hergestellt.

    Erst als die gegenseitige Achtung und Wertschätzung zwischen den Eltern möglich ist, kann das Kind aus der unbewusst übernommenen Aufgabe entlassen werden. Die Aufstellung ist beendet, wenn die systemische Ordnung wieder hergestellt ist.

    Weder der Sohn, noch der Vater waren darüber informiert, dass die Mutter diese Aufstellung gemacht hatte.

    Und doch veränderte sich etwas in dieser Familie. Eine Woche später teilte mir Marie glücklich mit, dass ihr Sohn nun doch die Schule beenden wird.