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Neulich war mal richtig die Kacke am dampfen ….
Eine wunderbares Wellnesswochende stand uns bevor…eigentlich…
wenn nicht mein Mann, der als selbstständiger Unternehmer zur Gattung „unverbesserlicher Workoholic“ gehört, gerne mal zwischendurch noch das ein oder andere geschäftliche Telefonat erledigt hätte. Für ihn geht das vollkommen ok, wenn sich Business und Privat ständig vermischen, ich hab`s gern getrennt.

Von ganz gechillt auf total aggressiv.

Nach seinem zweiten geschäftlichen Telefonat war mein „inneres Relaxtsein“ und „ich freu mich auf ein Wochenende mit ihm“ vorbei.
Mein Aggroschalter war gedrückt und ich kam so richtig in Fahrt, holte aus von Pontius bis zu Pilatus und kam vom Hölzchen auf`s Stöckchen.;-)
Mein Gegenüber aber blieb unbeeindruckt, zeigte null Reaktion, keine Gefühlsregung, nichts, nada, niente….
Er schwieg!

Wenn dein Gegenüber beharrlich weiter schweigt.

Dieses „Schweigen“, dieses „Nichtreagieren“, dieses gar „nicht auf Augenhöhe mit dem anderen“ zu sein, dieses „ich sag jetzt nichts dazu“, „ich schlaf erstmal ne Nacht drüber“ , diese „absolute Ignoranz“ machte mich erst richtig wütend!
Er schwieg beharrlich weiter. Ich brodelte innerlich wie ein Vulkan und meine Gedanken überschlugen sich….

Wenn dich deine alten Kindheitsmuster eiskalt erwischen.

Plötzlich befand ich mich in einem alten Film von früher. Dieses alte Muster von „absoluter Ignoranz“ war mir bestens bekannt aus meiner eigenen Kindheit. War ich angepasst, machte keine Umstände, war äußerlich gesehen alles in Butter, ein harmonisches Familienleben eben.
Lief ich jedoch mal nicht so in der Spur und verhielt mich nicht nach den Erwartungen der anderen, hatte andere Ansichten zu einer Angelegenheit, sagte Nein, zeigte meine wahres ich und meine inneren Gefühle, drohte ganz oft die Höchststrafe: Absolute Nichtachtung!

Unter Umständen schaffte meine Großmutter es einen ganzen Tag lang nicht mit mir zu reden und mich links liegen zu lassen. Ich konnte mir dann ein Bein ausreißen, betteln, mich entschuldigen, … aber sie zeigte kein Erbarmen.
Strafe musste eben sein!
Sie sprach das gar nicht aus, aber meine hohe Empathiefähigkeit war schon ab dem Kindesalter sehr ausgeprägt und so spürte ich trotzdem die Schwingungen der anderen.

Wenn Anpassung zur Abhängigkeit wird.

Recht früh in meinem Leben übernahm ich also unbewusst das Verhaltensmuster „Ich werde nur geliebt, wenn ich den Erwartungen der anderen entspreche.“
Jedes Kind will geliebt werden und ich wollte das natürlich auch! Ich lernte also schnell mich anzupassen und meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse statt dessen zu unterdrücken. Alles um gemocht und geliebt zu werden! Gleichzeitig machte ich mich dadurch abhängig.

Böse Mädchen schaffen alles was sie wollen.

Mit 17 Jahren brach mein jahrelang unterdrückte Anteil plötzlich vulkanartig in mir hervor. Mein neues Motto hieß „Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin.“
Ich glaubte nicht an die Hölle und es war mir schlichtweg egal, wo ich mal nach meinem Ableben hinkam. Ich wollte einfach kein gutes und braves Mädchen mehr sein.
Stattdessen wurde ich nun zur Rebellin, zog aus dem verklemmten, kleinkarierten Zuhause aus und machte mein eigenes Ding. Suchte mir eine kreative Ausbildung zur Floristin, statt mich einer vorgesehenen bürokratischen Beamtenlaufbahn in der Stadtverwaltung zu unterwerfen.
Ich hätte sicher vieles einfacher haben können in meinem Leben, mehr Komfort und Sicherheit, mehr Luxus aber der Preis dafür war einfach zu hoch.

Raus aus dem goldenen Käfig, rein in die Freiheit.

Wollte ich mich weiter ständig verbiegen? Rumheucheln? Vorgeben jemand zu sein, der ich gar nicht war? Ständig Ja sagen, obwohl ich Nein meinte?
Das wäre ein Leben gewesen, dass in meinen Augen nicht wirklich lebenswert war.
Gefangen wie ein Vogel in einem goldenen Käfig.
Ich aber wollte endlich frei sein! Frei in meinem Denken und Handeln!

Die Folgen der Abhängigkeit.

Durch eine systemische Aufstellung wurde mir erst viele Jahre später klar, was für Auswirkungen und Folgen diese Abhängigkeitsstrukturen meiner Kindheit hatten.
Ich hatte es zwar geschafft mich aus den alten Strukturen meiner häuslichen Umgebung zu lösen, aber da es mit meinem eigenen Selbstwert noch nicht wirklich gut um mich bestellt war, wurde ich von meinem nächsten Gegenüber abhängig.

Die Abhängigkeit geht weiter, wenn sie nicht vollständig gelöst ist.

Ich war wieder abhängig, diesmal nicht mehr im Familiensystem, sondern in meinen Partnerschaften.
Das eigentliche Thema war also immer noch nicht vollständig gelöst. Erst durch weitere Aufstellungsprozesse, war ich in der Lage mich selbst zu lieben und wertzuschätzen, meine inneren Bedürfnisse wahrzunehmen und auch zu leben.
Ich schaffte es mein eigenes Selbstwert und Selbstvertrauen so aufzubauen, dass sich durch mein neues Selbstbild  meine Abhängigkeitsstruktur lösen konnte.

Zwei Dinge die du sofort tun kannst, um dich nicht von der Stimmung des anderen abhängig zu machen:

1. Lass den anderen wo er ist!

Lass dein Gegenüber da, wo er gerade ist. Lass ihn in seinem Nichtreagieren, in seiner schlechten Laune, oder was auch immer sich an Regung bei ihm zeigt.
Es ist seine Stimmung nicht deine.
Du bist nicht für seine Gedanken, seine Gefühle und sein Handeln verantwortlich! und musst sie auch nicht übernehmen.
Du bist erwachsen, kannst dich selbst lieben und selbst wertschätzen lernen.
Bist du dir deiner eigenen Werte bewusst, bist du nicht abhängig von der Wertschätzung eines anderen.
Das macht dich unabhängig und frei von deinem Gegenüber, weil du es dir wert bist!

2. Sorge gut für Dich!

Was brauchst Du am dringensten in einer Situation, wo die Laune deines Gegenübers auf dich überzuschwappen droht?
Einen freien Kopf und klare Gedanken!
Zieh Dir deine Schuhe an und geh laufen, statt weiter in deinem eigenen Gedankenhamsterrad zu schmoren. Durch das Gehen, bekommst du den nötigen Abstand, den du jetzt dringend brauchst. Durch die aktive Bewegung schaffst du es, dein ganzes Kopfkino mal abzustellen und die unklare Angelegenheit nüchtern betrachten zu können. Der Perspektivwechsel macht es dir möglich, aus der Distanz heraus neutral auf die unklare Situation zu schauen und deine innere Mitte wieder zu finden. Du wirst wieder handlungsfähig.

Meine Lösung:

Auch ich ließ meinen Mann an diesem Tag wo er war.
In seinem Nichtreagieren. Mit all seinen Gedanken, seinen ungesagten Worten und seinen eigenen Emotionen, die er zu diesem Thema hatte.
Ich musste mich nicht schlecht fühlen, nur weil er nichts sagte, das war eindeutig sein Ding.
Ich war all meine inneren Gedanken und Gefühle zum dem was mich bewegte losgeworden. Was er damit jetzt machte, war sein Problem.
Ich habe mir die Schuhe angezogen und bin gelaufen, solange bis ich wieder frei und klar in meinem Kopf war und mein inneres Gleichgewicht gefunden hatte.
Im Übrigen hat er später dann doch das Gespräch mit mir gesucht;-)

Die Entscheidung liegt bei Dir!

Manchmal ist eben einfach Geduld gefragt. Dann gibt es eben nicht die „jetzt und sofort“ Lösung. Sondern erst dann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist und nicht wann ich es will. Wichtig dabei ist nur, dass ich mich nicht den Launen oder Stimmungen meines Gegenübers unterwerfen muss, sondern die Entscheidung immer bei mir liegt.:-)

Wie geht es dir in in unklaren Situationen mit anderen? Sind dir solche zwischenmenschliche Konflikte ein absolutes Graus?
Kannst du es gut aushalten, den anderen da sein zu lassen, wo er gerade ist? Mit all seinen ganzen Emotionen? Mit den ganzen unsichtbaren Schwingungen die zwischen euch spürbar sind? Oder lenkst du ziemlich schnell ein, damit auch ja wieder schnell Frieden und Harmonie einkehrt?
Kannst du deine eigenen Bedürfnisse schon laut aussprechen und setzt alles daran sie auch in die Tat umzusetzen? Oder entscheidest du erst nach der Erwartungshaltung anderer?

Klarheit bringt Lösungen und Entspannung.

Vielleicht gibt es auch in deiner Biographie ein Abhängigkeitsmuster, dass dich heute von einem erfüllten und glücklichen Leben abhalten?
Wünscht du dir mehr Klarheit darüber, was eigentlich hinter dem Abhängigkeitsmuster steckt?
Ich freue mich auf ein Kennenlerngespräch

Geniesse ein selbstbestimmtes Leben in Balance 🙂

Alles Liebe, Alexandra

 

 

Beitragsfoto: unsplash/ francisco-moreno-67179